Wissensdrang - Der Uroletter von APOGEPHA
Frau hat Schmerzen im Unterleib
Leitlinienupdate S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Interstitielle Cystitis
Bereits der Blick auf das Inhaltsverzeichnis offenbart eine vollumfängliche und grundlegende Überarbeitung aller Kapitel der Erstversion der Leitlinie von 2018. Erstmalig waren auch Patientenvertreter an der Erstellung beteiligt, um der Betrachtung von Leidensdruck und Lebensqualität durch die Betroffenen gerecht zu werden. So empfiehlt die Leitlinie mit einer „Soll“-Empfehlung, die Auswirkungen der IC/BPS im Patientengespräch zu erfragen und bei der Therapie zu berücksichtigen. Hintergrund für diese Empfehlung ist die Erkenntnis, dass die ICS/BPS das Leben der Betroffenen stark einschränken kann (Tab. 1).
Tab. 1: Einschränkungen der Betroffenen bei IC/BPS
Diagnostik
Stärkere Differenzierung zwischen IC und BPS
Im Kapitel Diagnostik wurde genauer zwischen IC und BPS differenziert (Tab. 2) und um die endoskopischen Befunde ergänzt.
Tab.2: Differenzierung IC und BPS der Leitlinien 2018 und 2023 im Vergleich
Die aktuelle IC-Definition lautet wie folgt:
Die Interstitielle Zystitis ist eine Erkrankung, die durch eine Entzündung der Harnblase oder der Harnröhre gekennzeichnet ist. Dieser Zustand kann mit einer Fehlbildung oder Verletzung des Blasenepithels, einer Infektion, mit Toxinen, einer Autoimmunreaktion oder einer Allergie verbunden sein. Dieser Zustand kann auch mit Hunner-Läsionen, diffusen Glomerulationen, die alle Quadranten der Blasenschleimhaut betreffen können, leichtem bis schwerem chronischen Blasendruck, Blasenschmerz, Harndrang und häufigem Wasserlassen bei gleichzeitigem Ausschluss differenzialdiagnostischer Erkrankungen auftreten.
Bei der Anamnese wird daher auch empfohlen:
den Beginn, die Entwicklung und Dauer der beklagten Symptome
den Auslöser der Symptome
eine aktuelle Therapie- und Medikationsliste
sämtliche bekannte Komorbiditäten und deren Therapien
zu erfassen.
Diagnostische Verfahren neu bewertet
Die Leitlinie empfiehlt folgende diagnostische Verfahren in den unterschiedlichen Empfehlungsgraden:
Tab. 3: Diagnostische Verfahren bei IC nach Empfehlungsgraden

Therapie
Bei der konservativen Therapie bekommt die Lebensstiländerung einen bedeutenden Stellenwert. Vom Patienten beeinflussbare Verhaltensfaktoren sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst:
Tab. 4: Beeinflussbare Verhaltensfaktoren bei IC
Bezüglich Ernährung empfiehlt die Leitlinie, eine gründliche Anamnese mit Ableitung von Ernährungsdiagnosen und individuellen Empfehlungen durchzuführen.
Auch die psychischen Aspekte sollten primär erfasst werden. Sie sollen frühzeitig in der Behandlung auch unter Einbeziehung einer psychotherapeutischen bzw. psychosomatischen Mitbehandlung berücksichtigt werden.
Eine Beckenbodenphysiotherapie soll bei Patienten mit einem erhöhten Beckenbodentonus, myofaszialen Schmerzen oder Tenderpunkten durch speziell ausgebildete Physiotherapeuten angewendet werden.
Medikamentöse Therapien
Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht zu den medikamentösen oralen Therapieoptionen und ihrem jeweiligen Empfehlungsgrad.
Tab. 5: Medikamentöse Therapien nach Empfehlungsgraden
Für die Therapie mit monoklonalen Antikörpern konnte aufgrund der unzureichenden Datenlage keine Empfehlung gegeben werden.

Bei der Schmerztherapie erhielten Amitriptylin, Mirtazapin und Antikonvulsiva wie Pregabalin eine Kann-Empfehlung.

Neu aufgenommen wurde ein Abschnitt zur Komplementärmedizin. Akupunktur kann im Sinne eines Heilversuchs erwogen werden, solange der Einsatz nachgewiesener Therapien nicht verzögert wird. Auch die Therapie mit PEMF (pulsierende elektromagnetische Felder) kann angeboten werden. Bei therapierefraktären Patienten kann intravesikales Ozon, eine transkranielle Magnetstimulation oder autologes, emulgiertes Fell als intravesikale Injektion in Betracht gezogen werden.
Für Nahrungsergänzungsmittel konnte aufgrund der mangelnden Studienlage keine Empfehlung ausgesprochen werden, wohingegen ein Therapieversuch mittels Neuraltherapie vorgenommen werden kann.
Für den Einsatz von Glitazonen konnte keine Empfehlung ausgesprochen werden.

Intravesikale Therapien spielen eine große Rolle bei der Behandlung der IC/BPS.
Die Leitlinie gibt folgende Empfehlungen:
Tab. 6: Intravesikale Therapien bei IC/BPS nach Empfehlungsgraden
Sowohl die Hydrodistension als auch das EMDA-Verfahren sollte bei der Therapie der IC/BPS durchgeführt werden.

Auch interventionelle/operativen Therapieansätze werden in der Leitlinie bewertet.
Patienten mit Hunnerschen Läsionen soll die transurethrale Destruktion durch Fulguration angeboten werden. Wenn mehrere konservative Therapien nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben, dann kann die sakrale Neuromodulation (SNM) angeboten werden, dabei sollte die SNM vor größeren Operationen in Erwägung gezogen werden. Im Gegensatz dazu erhielt die pudendale Neuromodulation nur eine Kann-Empfehlung, wenn konservative Therapien nicht ausreichend waren, ebenso wie die perkutane tibiale Nervenstimulation. Die hyperbare Sauerstoff-Therapie sollte zu den ergänzenden Behandlungsoptionen gezählt werden. Die Harnableitung stellt unverändert die Ultima Ratio dar.

Rehabilitations-Maßnahmen empfohlen
Vor invasiven Therapiemaßnahmen und nach einer Zystektomie mit Harnableitung soll eine stationäre urologische Rehabilitation angeboten werden.
Während der Rehabilitation hat eine sozialmedizinische Beurteilung mit Bestimmung des Behinderungsgrades zu erfolgen.

Die vollständige Leitlinie finden Sie hier:

Autorin
Dr. Sandra Murgas
Dr. Sandra Murgas
Senior Medical Manager Urologie

Die Inhalte dieser E-Mail sind nur für medizinische Fachkreise bestimmt. Wir freuen uns über Ihr Feedback, bitten Sie jedoch, Meldungen zur Arzneimittelsicherheit und zu unseren Produkten bitte ausschließlich an pharmacovigilance@apogepha.de zu richten.

Copyright © 2026 APOGEPHA Arzneimittel GmbH. Alle Rechte vorbehalten.